• Es mag den Anschein haben, dass es ein nutzloser Aufwand von Kraft und Geld ist, eines sechshundert Jahre zurückliegenden Ereignisses zu gedenken. Es ist wahr, dass
    sich seit dem Tode von Meister Jan Hus Vieles verändert hat. Darin, dass Hus sich (bei einer 2005 vom Tschechischen Fernsehen veranstalteten Umfrage) unter den ersten zehn größten Tschechen platzierte, zeigt sich jedoch, dass seine Haltung und seine Grundsätze nicht überholt sind.

Jan Hus

Geboren wurde er um das Jahr 1370 in Husinec. Er studierte an der Universität in Prag, wo er auch lehrte und später zum Rektor wurde. Zehn Jahre wirkte er als Prediger in der Bethlehemskapelle. Fundament seiner Lehre und seines Lebens wurde die Bibel.

 

Hus zeigte den moralischen Verfall auf, in dem sich die Kirche zu Beginn des 15. Jahrhunderts befand. Er leitete die Christen dazu an, ihren Glauben in Wahrheit, Liebe und Ehrlichkeit im Leben zu erweisen. Einige Gedanken übernahm er vom englischen Theologen John Wycliff. Er kritisierte die Form der Ablasserteilung und die Kreuzzüge und lehrte, dass eine Anordnung – auch wenn sie vom Papst selbst stammen sollte – nicht befolgt werden muss, wenn sie in Widerspruch zur Bibel steht.

 

  • Meister Jan Hus ist eine unübersehbare
  • Persönlichkeit der tschechischen und
  • europäischen Geschichte.
  • Er wurde zum Symbol
  • für moralische Verantwortung
  • und für die Verteidigung
  • der Wahrheit,
  • für die er auch bereit war,
  • sein Leben zu lassen.

 

  • Das Vermächtnis von Hus verstehen
  • wir als Möglichkeit der Versöhnung und
  • Zusammenarbeit zwischen
  • Kirchen und Nationen.

 

Hus musste Prag verlassen und begab sich ins Exil auf die Ziegenburg (Kozí Hrádek) und auf Burg Krakovec, wo er sich literarischer Tätigkeit widmete. Er ist Autor vieler lateinischer und tschechischer Schriften, die bis heute eine Quelle der Inspiration sind. Auf dem Konzil von Konstanz, wohin er vorgeladen wurde, wurde Hus als Ketzer verurteilt. Er wurde gefangen gesetzt und – nachdem er es abgelehnt hatte, seine Meinungen zu widerrufen – am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Asche wurde in den Rhein geschüttet, um zu verhindern, dass seine Anhänger aus seinem Grab eine Wallfahrtsstätte machen. Seine Verbrennung rief in Böhmen eine Protestbewegung hervor und führte zur böhmischen Reformation.

 

Um hundert Jahre später wurden die Gedanken von Hus Inspriration für Martin Luther und weitere Reformatoren in Europa. In Böhmen fanden sie Widerhall bei der Entstehung eines selbständigen Staates, der von T. G. Masaryk repräsentiert wurde. Im Jahre 1999 hob Papst Johannes Paul II. den moralischen Mut von Hus hervor, drückte tiefes Bedauern über seinen grausamen Tod aus und bezeichnete ihn als Reformator der Kirche.